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FĂŒr das Jahr 2017 lassen sich einige Trends im Bereich des Stromsystems prognostizieren:

Weiteres Wachstum bei Windkraftanlagen: Im Jahr 2017 gelten noch die Übergangsregelungen aus dem alten EEG, sodass viele Windanlagenprojektiere versuchen, noch vor Beginn der Ausschreibungen (siehe unten) ihre Anlagen unter den Regelungen des EEG 2014 zu errichten. Auch im Bereich Offshore-Windkraft sind mehrere Windparks im Bau. Ein weiterer Zubau von Windanlagen in Höhe von 4 Gigawatt (On- und Offshore) fĂŒr 2017 ist insofern realistisch.

Gestiegene AttraktivitÀt von Solarstrom-Eigenversorgungsanlagen:

FĂŒr neue Solaranlagen mit einer Leistung von weniger als 750 Kilowatt, fĂŒr die anstelle des neuen Ausschreibungsregimes weiterhin EinspeisevergĂŒtungsregeln gelten, wird das Jahr 2017 voraussichtlich mehrere Erhöhungen der VergĂŒtung bringen. Beispielsweise steigt fĂŒr Kleinanlagen mit einer Leistung von bis zu zehn Kilowatt die VergĂŒtung zum 1. Januar 2017 von 12,50 Cent auf 12,70 Cent pro Kilowattstunde, zum zweiten Quartal steht aufgrund der sehr niedrigen Zubauraten 2016 vermutlich eine weitere Erhöhung an. Verbunden mit den kontinuierlich sinkenden Preisen fĂŒr Photovoltaikanlagen und Stromspeicher in Kombination mit steigenden Haushalts- und Gewerbestrompreise wĂ€chst somit 2017 die AttraktivitĂ€t fĂŒr Solarstrom-Eigenversorgungsanlagen deutlich. In Summe mit den Anlagen aus den Ausschreibungen, die nun gebaut werden mĂŒssen (siehe unten), ist eine Zubaumenge von etwa 1,5 Gigawatt Photovoltaik im Jahr 2017 realistisch.

Kraftwerksstilllegungen im konventionellen Bereich:

Als Teil des Atomausstiegs erlischt die Betriebsgenehmigung des Kernkraftwerks Gundremmingen B Ende Dezember 2017. Es gehört mit einer Leistung von 1.344 Megawatt zu den großen deutschen Kernkraftwerken. Zum 1. Oktober 2017 werden zudem zwei weitere Braunkohlekraftwerke in die so genannte Sicherheitsbereitsschaft gehen: Die Blöcke P und Q des Kraftwerkes Frimmersdorf mitÂŽeiner Leistung von jeweils 300 Megawatt. DarĂŒber hinaus hat die STEAG fĂŒnf alte Kohlekraftwerksblöcke zur Stilllegung angemeldet, die insgesamt eine Leistung von etwa 2.300 Megawatt haben. Damit werden konventionelle Kraftwerke mit einer Leistung von gut vier Gigawatt im Jahr 2017 das deutsche Stromsystem verlassen. Aufgrund der ÜberkapazitĂ€ten im deutschen Strommarkt stellt dies fĂŒr die Versorgungssicherheit kein Problem dar. Da diese Kraftwerke zu den eher inflexiblen Anlagen gehört haben, dĂŒrfte sich vielmehr die FlexibilitĂ€t des Stromsystems durch die Abschaltungen erhöhen.

Das Jahr 2017 hat darĂŒber hinaus energiepolitische Bedeutung:

Ausschreibungen als Instrument der Erneuerbaren-Energien-Finanzierung: Am 1. Januar 2017 ist das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft getreten. Das Gesetz vollzieht vor allem den Wechsel von einer Regulierung des Erneuerbare-Energien-Zubaus ĂŒber gesetzlich festgelegte EinspeisevergĂŒtungen hin zu einer Bestimmung der Erneuerbaren-VergĂŒtung ĂŒber Ausschreibungen. Zudem wird die Ausbaumenge ĂŒber die Ausschreibungsmenge reguliert, wĂ€hrend bisher die Zubaumengen indirekt ĂŒber die Förderhöhen gesteuert werden sollten. In der 25-jĂ€hrigen Geschichte der Erneuerbaren-Energien-Förderung in Deutschland stellt dies einen grundlegenden Paradigmenwechsel dar. So sieht das EEG 2017 die Ausschreibung von zunĂ€chst jĂ€hrlich 2.800 Megawatt Windkraftleistung an Land vor. Der erste Ausschreibungstermin fĂŒr eine Leistung in Höhe von 800 Megawatt ist der 1. Mai 2017. Zudem werden durch Regelung des neuen Windenergie-auf-See-Gesetzes am 1. MĂ€rz 2017 1.550 Megawatt Windkraftleistung auf See ausgeschrieben. DarĂŒber hinaus werden im Bereich der Photovoltaik die bisherigen Pilotausschreibungen fĂŒr große Anlagen als dauerhaftes Instrument etabliert mit einer Jahresmenge von 600 Megawatt. Und auch bei den Biogasanlagen wird es eine Ausschreibung fĂŒr Neu- und Bestandsanlagen geben in Höhe von zunĂ€chst 150 Megawatt pro Jahr.

Sinkende Kosten fĂŒr Erneuerbare Energien:

Es wird erwartet, dass die Ausschreibungen die Kosten fĂŒr Strom aus Erneuerbaren Energien weiter senken. Die jĂŒngsten Ausschreibungsergebnisse aus dem Herbst 2016 fĂŒr Offshore-Windenergie in den Niederlanden und in DĂ€nemark haben tatsĂ€chlich deutlich niedrigere Strombezugskosten als in Deutschland generiert. Auch die Ergebnisse der Solarstrom-Pilotausschreibungen haben in den vergangenen zwei Jahren deutlich sinkende Solarstromkosten ergeben – so gab es bei der jĂŒngsten deutsch-dĂ€nischen Solarstromauktion das Rekordergebnis von nur 5,38 Cent pro Kilowattstunde. Weitere PreisrĂŒckgĂ€nge sind angesichts eines weltweiten Preisverfalls wahrscheinlich.

Realisierungsquoten:

Das Jahr 2017 wird erstmals auch belastbare Informationen ĂŒber die Realisierungsquoten bei Ausschreibungen liefern: Am 6. Mai 2017, 20. August 2017 und 18 Dezember 2017 endet die ultimative Frist fĂŒr die Inbetriebnahme von Solarstromanlagen fĂŒr die im Rahmen der ersten drei Pilotausschreibungen schon Jahr 2015 ZuschlĂ€ge erteilt worden war. Hier geht es insgesamt um 500 Megawatt. DarĂŒber hinaus steht das Jahr 2017 energiepolitisch unter dem Einfluss der Bundestagswahl. Der Ausgang der Wahl wird die kĂŒnftige Energiepolitik Deutschlands maßgeblich prĂ€gen. In der kommenden Legislaturperiode stehen im Zusammenhang mit der Energiewende etliche wesentliche Entscheidungen an, etwa die Frage, wie der Verkehrs- und der WĂ€rmesektor dekarbonisiert werden können und welchen Anteil hierbei ein verstĂ€rkter Einsatz von Ökostrom haben kann. Zudem werden 2017/2018 die Weichen dafĂŒr gestellt, ob die nationalen Klimaschutzziele fĂŒr 2020 und 2030 noch erreicht werden können und insbesondere, ob es einen langfristig verlĂ€sslichen Ausstiegsfahrplan aus der Kohlekraft geben wird. Wichtig wird auch, gerade angesichts stetig steigender Strompreise bei sinkenden Öl- und Gaspreisen, eine grundlegende Überarbeitung des Abgaben- und Umlagensystems sein.

Quelle: AGORA Jahresbericht 20.3.17