Gutachten: WINDENERGIEANLAGEN IN FLUGPLATZN√ĄHE Fachbereich 6 Luft- und Raumfahrttechnik, FH Aachen, Prof. Dr.-Ing. Frank Janser

Der Baden-W√ľrttembergische Luftfahrtverband e.V. legt das Gutachten der FH Aachen zur Feststellung notwendiger Mindestabst√§nde von Windkraftanlagen zu Flugbetriebsr√§umen an Flugpl√§tzen der Allgemeinen Luftfahrt vor. Das Gutachten wurde von AOPA und DAEC gemeinsam initiiert. In der betreuenden Arbeitsgruppe haben neben AOPA und DAEC auch die IDRF mitgewirkt. Die ‚Äěfriedliche Koexistenz" von Windkraftanlagen und Flugpl√§tzen wird in den kommenden Jahren eine wesentliche Bedeutung f√ľr die Realisierung der Energiewende haben. Die daf√ľr bereitzustellenden Freifl√§chen haben einen erheblichen Einfluss auf den Schutz der Allgemeinen Luftfahrt, eine sichere und unfallfreie Ausbildung und die Aus√ľbung s√§mtlicher Luftsportarten.
Getragen von diesem Gedanken konnten die wesentlichen Interaktionen zwischen Luftfahrzeugen und Windkraftanlagen im vorliegenden Gutachten beleuchtet werden. Daraus wurde eine, aus dem Spannungsfeld von Hindernisfreiheit, Pilotenbelastung und sicherer ‚ÄěFliegbarkeit" entwickelte Emp-fehlung abgeleitet.

Bildbeschreibung

Foto: WindForS Universität Stuttgart

Die Mindestabst√§nde von Hindernissen sind derzeit in NfL I 92/13 mit 400 m zum Gegenanflug und 850 m zu allen √ľbrigen Abschnitten der Platzrunde festgelegt. Diese Abst√§nde m√∂gen bei einem statischen Hindernis ausreichend sein. Vor den dynamischen Auswirkungen von Windenergie-anlagen sch√ľtzen sie nicht. Auch die Standardverfahren zum Einflug in die Platzrunde und das Fliegen von Vollkreisen im Gegenanflug sind mit derart geringen Abst√§nden nicht m√∂glich. Ferner nehmen Hindernisse im Ab-stand von 400 m zur Platzrunde in unzul√§ssiger Weise M√∂glichkeiten zum Vermeiden von Kollisionen durch Ausweichen.

Windkraftanlagen sind ein dynamisches Hindernis Windenergieanlagen m√ľssen aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften als dynamische Luftfahrthin-dernisse aufgefasst werden, denn sie verursachen eine signifikante St√∂rung des Windes, dem turbulenten Nachlauf. Betrachtet man eine Windenergieanlage als Luftfahrthindernis, darf man daher nicht nur die blo√üe √§u√üere Form der Windenergieanlage, also Mast und Rotor, als Bewertungskriterium zugrunde legen. Das tats√§chliche ‚Äědynamische Hindernis‚Äú ist unter Ber√ľcksichtigung der dynamischen Einfl√ľsse ein Zy-linder mit einem Radius vom siebenfachen Rotordurchmesser und einer H√∂he, die der Anlagenh√∂he zuz√ľglich 15 % des Rotordurchmessers entspricht. Erst au√üerhalb dieses Zylinders treten keine, f√ľr den Luftverkehr gef√§hrlichen, Luftstr√∂mungen mehr auf.

Dabei ist zu ber√ľcksichtigen, dass bereits heute Windenergieanlagen mit 150 m Rotordurchmesser gebaut werden. Rotoren bis 250 m Durchmesser sind in der Entwicklung und Rotordurchmesser bis 400 m f√ľr die Zukunft angedacht. Eine Windenergieanlage mit einem 150 m Rotor w√§re demnach ein dynamischer Hinderniszylinder mit 1050 m Radius bzw. 2.100 m Durchmesser und einer H√∂he von ca. 230 m. Bei einem 250 m Rotor h√§tte der Hinderniszylinder schon einen Durchmesser von 3.500 m und eine H√∂he von ca. 350 m.

Ein Pilot kann die Entfernung zu Windenergieanlagen ‚Äď insbesondere aufgrund ihrer drehenden Rotoren, aber auch wegen der gleichen √§u√üeren Form bei signifikanten Gr√∂√üenunterschieden ‚Äď nur sehr schwer absch√§tzen. Die unterbewusste Gef√§hrdung ist signifikant h√∂her, sodass mehr Aufmerksamkeit f√ľr die Wahrung eines ausreichenden Abstandes verwendet wird. In Platzn√§he unterbleiben so die ordentliche Anflugvorbereitung und Beobachtung des √ľbrigen Verkehrs. Hieraus ergeben sich weitere Unfallgefahren.

Das Gutachten hat dargestellt, dass bereits bei einem Rotordurchmesser von 150 m, unter Ber√ľcksichtigung aller erforderlichen Effekte und Sicherheitsabst√§nde, ein Abstand von bis zu 4,5 km zwischen Windenergieanlage und Landebahn erforderlich wird.

Die Bauschutzbereiche in heutiger Form sch√ľtzen Flugpl√§tze nicht vor unzumutbaren Einschr√§nkungen aufgrund neu errichteter Windenergieanlagen in der Umgebung. Sie sind in ihrer Geometrie und von ihren Eigenschaften her nicht mit Hinblick auf Windparks und dynamische Hindernisse in Form von Windenergieanlagen ausgelegt. Bauschutzbereiche k√∂nnen den Luftverkehr nur dann vor den Auswirkungen von Windenergieanlagen sch√ľtzen, wenn der oben beschriebene Hinderniszylinder als Referenz f√ľr die Durchdringung von Hindernisfreifl√§chen verwendet wird.