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LĂ€nderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) Abstandsempfehlungen fĂŒr Windenergieanlagen zu bedeutsamen VogellebensrĂ€umen sowie BrutplĂ€tzen ausgewĂ€hlter Vogelarten (Stand April 2015)

Im Jahr 2007 veröffentlichte die LĂ€nderarbeitsgemeinschaft der Staatlichen Vogelschutzwarten (LAG VSW) die „Abstandsregelungen fĂŒr Windenergieanlagen zu bedeutsamen VogellebensrĂ€umen sowie BrutplĂ€tzen ausgewĂ€hlter Vogelarten” (Berichte zum Vogelschutz 44 (2007), 151–153; auch als „HelgolĂ€nder Papier“ bekannt). Verschiedene GrĂŒnde haben es erforderlich gemacht, das „HelgolĂ€nder Papier“ zu ĂŒberprĂŒfen und eine Fortschreibung vorzulegen:

  • Klimaschutz und Energiepolitik sowie der Erhalt der BiodiversitĂ€t mĂŒssen nicht im Widerspruch zueinander stehen. Trotzdem kommt es bei Planungen regelmĂ€ĂŸig zu Zielkonflikten.
  • Um solche zu minimieren, hat die LAG VSW den Stand des Wissens aktualisiert sowie geprĂŒft und dargelegt, wie durch Einbeziehung fachlicher Anforderungen des Vogelschutzes die Planung und der Bau von Windenergieanlagen (WEA) optimiert werden kann.
  • Die Rechtsprechung hat die maßgeblichen Rechtsvorschriften zum Naturschutzrecht zunehmend konturiert. Dies betrifft vor allem den besonderen Artenschutz des § 44 BNatSchG und den europĂ€ischen Gebietsschutz des § 34 BNatSchG.
  • Nicht zuletzt liegen im Hinblick auf die Konflikte zwischen der Windenergienutzung und dem Vogelschutz neue fachliche Erkenntnisse vor, so auch ĂŒber kumulative Effekte Mit der Ausweitung der Windenergienutzung im Wald rĂŒckt ein bisher in der Windkraftdiskussion wenig relevanter Lebensraum verstĂ€rkt in den Fokus und damit Vogelarten, die in der bisherigen Diskussion kaum eine Rolle gespielt haben.

Bildbeschreibung

Der in Klammern gesetzte PrĂŒfbereich beschreibt Radien, innerhalb derer zu prĂŒfen ist, ob Nahrungshabitate, SchlafplĂ€tze oder andere wichtige Habitate der betreffenden Art bzw. Artengruppe vorhanden sind, die regelmĂ€ĂŸig angeflogen werden.

Schlagopferkartei Brandenburg Die Staatlichen Vogelschutzwarten in Deutschland verfĂŒgen ĂŒber einen umfangreichen Kenntnisstand zum Thema Windenergienutzung und Vogelschutz. So wird z. B. bei der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg seit 2002 die zentrale Funddatei ĂŒber Anflugopfer an WEA (Schlagopferdatei) gefĂŒhrt, fortwĂ€hrend aktualisiert und im Internet veröffentlicht (http://www.lugv.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.312579.de). Dies erfolgt im Rahmen der Arbeitsteilung innerhalb der LAG VSW und geht auf eine Festlegung auf deren FrĂŒhjahrstagung 2002 zurĂŒck. Allerdings enthĂ€lt die Datenbankauch einen kleinen Prozentsatz weiter zurĂŒckliegender Daten. Diese Funddatei ist eine geeignete Quelle, um das artspezifische, relative Kollisionsrisiko abzuschĂ€tzen (Illner 2012), wenngleich sie nicht nur Ergebnisse systematischer Untersuchungen, sondern in erheblichem Umfang auch Zufallsfunde enthĂ€lt. Bei der Bewertung von Zufallsfunden muss berĂŒcksichtigt werden, dass nur ein sehr kleiner Prozentsatz von Kollisionsopfern ĂŒberhaupt gefunden und gemeldet wird. Die GrĂŒnde hierfĂŒr liegen vor allem in der geringen Wahrscheinlichkeit des Auffindens und in der geringen Verweildauer der Kadaver unter den Anlagen. Aus den vorliegenden systematischen Untersuchungen ist bekannt, dass Kollisionsopfer sehr schnell und regelmĂ€ĂŸig vor allem von PrĂ€datoren bzw. Aasfressern, aber auch durch Menschen, beseitigt werden. Die realen Opferzahlen sind daher wesentlich höher als die Fundzahlen. Eine systematische Opfersuche in Verbindung mit Begleituntersuchungen zur Fehlereingrenzung kann Hochrechnungen und populations-biologische Betrachtungen ermöglichen, wie sie Bellebaum et al. (2013) fĂŒr den Rotmilan vorgenommen haben.

Neben der Funddatei ĂŒber Anflugopfer werden an der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg wissenschaftliche Untersuchungen zum GefĂ€hrdungspotenzial windenergiesensibler Vogelarten dokumentiert. (http://www.lugv.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.3310. de/vsw_dokwind_voegel.pdf ). Diese Dokumentation enthĂ€lt eine Vielzahl artspezifischer Publikationen und Datenquellen. Sie stellt eine weitere wichtige Grundlage fĂŒr die vorliegenden Abstandsempfehlungen dar.