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Rotmilan (Milvus milvus) Das Verbreitungsgebiet des Rotmilans ist klein und beschrĂ€nkt sich fast ausschließlich auf Teile Europas. FĂŒr den Rotmilan trĂ€gt Deutschland mehr Verantwortung als fĂŒr jede andere Vogelart, da hier mehr als 50 % des Weltbestandes der Art leben. Jedoch brĂŒten in Deutschland weniger als 20 % der Rotmilane innerhalb von EuropĂ€ischen Vogelschutzgebieten. Der Rotmilan brĂŒtet in abwechslungsreichem Wald-Offenland-Mosaik und bevorzugt hĂ€ufig Bereiche, die durch lange Grenzen zwischen Wald und Offenland und einen hohen GrĂŒnlandanteil gekennzeichnet sind. Die Nahrungssuche findet im Offenland statt. Beim Rotmilan erfolgt sie mehr als bei anderen Greifvögeln fliegend, wobei er gegenĂŒber WEA kein Meideverhalten zeigt. Da BalzflĂŒge im FrĂŒhjahr, Thermikkreisen und z. T. NahrungsflĂŒge in Höhen stattfinden, in denen sich die Rotoren der WEA befinden, besteht fĂŒr die Art ein sehr hohes Kollisionsrisiko. So gehört der Rotmilan absolut und auf den Brutbestand bezogen zu den hĂ€ufigsten Kollisionsopfern an WEA. Allein in Deutschland wurden bereits 265 kollisionsbedingte Verluste registriert; auf Vögel jenseits der Nestlingsperiode bezogen, ist die Windenergienutzungzumindest in Brandenburg in kurzer Zeit auf Platz 1 unter den nachgewiesenen Verlustursachen bei dieser Art gerĂŒckt.

FĂŒr das Bundesland Brandenburg lassen sich anhand eines auf systematischen Kollisions-opfersuchen basierenden Modells bei einem Stand von 3.044 WEA 308 Kollisionen pro Jahr schĂ€tzen. Allein die Verluste durch WEA liegen hier im Grenzbereich einer PopulationsgefĂ€hrdung auf Landesebene. Den grĂ¶ĂŸten Teil der Verluste machen Altvögel wĂ€hrend der Brutzeit aus, so dass bei Verlusten wĂ€hrend der Brutzeit regelmĂ€ĂŸig auch mit Brutverlusten zu rechnen ist. Da junge Brutvögel einen geringeren Bruterfolg haben als Ă€ltere, gehen Neuverpaarungen nach dem Verlust von erfahrenen Altvögeln mit reduziertem Bruterfolg einher. Der Verlust eines Partners kann also ĂŒber mehrere Jahre den Bruterfolg eines Reviers absenken.

Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse aus ThĂŒringen mittels Satellitentelemetrie ĂŒber das rĂ€umliche und zeitliche Verhalten von Rotmilanen (Pfeiffer & Meyburg 2015) an ĂŒber 30 adulten Vögeln mit knapp 10.000 GPS-Ortungen ergaben, dass nur 40 % der FlugaktivitĂ€ten in einem Radius von 1.000 m um den Brutplatz erfolgen. Angesichts der in Abschnitt 4 formulierten Annahme ist daher eine Erweiterung des Mindestabstandes gegenĂŒber den Empfehlungen (LAG VSW 2007) erforderlich. In Anbetracht der hohen Verantwortung, die Deutschland fĂŒr diese Art hat, wird ein Mindestabstand von 1.500 m empfohlen, der rund 60 % aller FlugaktivitĂ€ten umfasst. Beim PrĂŒfbereich ergibt sich eine Verkleinerung des Radius auf 4.000 m, der einen Großteil (im Schnitt ĂŒber 90 %) der FlugaktivitĂ€ten abdeckt.

Bildbeschreibung Rotmilan mit FlĂŒgelkennzeichnung

Bildbeschreibung Rotmilannest mit Verzierung

Vorgaben der LUBW zur Vermeidungvon BeeintrĂ€chtiugn von Vogelarten bei der Genehmigungen von Windkraftanlagen (= Mahdvorschrift) Die bindenden Hinweise zur Bewertung und Vermeidung von BeeintrĂ€chtigungen von Vogelarten bei Bauleitplanung und Genehmigung fĂŒr Windenergieanlagen der LUBW beinhalten im Wesentlichen drei Vorgaben zum Schutz des Rotmilans, die das Projekt in Wertheim zu Fall gebracht haben: Anlagen, die in Nahrungshabitaten von Rotmilanen liegen (was im baden-wĂŒrttemberger Offenland fĂŒr so gut wie alle Anlagen gilt), mĂŒssen fĂŒr vier Tage abgeschaltet werden, wenn im Umkreis von 300 Metern der Boden bearbeitet wird, also ein Landwirt zum Beispiel mĂ€ht, mulcht oder pflĂŒgt. Überdies gelten strenge Vorgaben fĂŒr die Bewirtschaftung der AckerflĂ€chen am Fuß der Windenergieanlage. Außerdem ist das Anlegen großer AblenkflĂ€chen fĂŒr Rotmilane erforderlich.

Wie funktioniert eine FĂŒtterungsplattform? Bildbeschreibung

Besenderung des Rotmilan (Telemetrieergebnisse) Da dem MĂ€nnchen den Hauptteil der Nahrungssuche obliegt, werden die mĂ€nnlichen Tiere besendert. (Sender und Antenne auf dem RĂŒcken) GPS Sender sendet im 5 Minuten Takt Überwinterungszug nach Spanien: 21 Tage (Sept.) 50 % der Horste werden wiederbesetzt (Febr.) Der Rotmilan fliegt "ominidirektional" (nicht auf direktem Weg zum Futterplatz)

Variabler Aktionsraum:

  1. Revierbesetzungen und Balz: 13 qkm
  2. BrĂŒten: 9 qkm
  3. Jungenaufzucht : 117 qkm
  4. Bettelflugphase: 25 qkm
  5. wenn Jungvögel weg sind: 3,5 qkm

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Dichtezentrum Rotmilan - Ein Fließschema Die Fallgruppen zum Rotmilan bei der Bauleitplanung fĂŒr Windenergieanlagen werden in Kapitel IV. 1. der Hinweise des Ministeriums fĂŒr LĂ€ndlichen Raum und Verbraucherschutz zu arten-schutzrechtlichen Ausnahmen vom Tötungsverbot bei windenergieempfindlichen Vogelarten bei der Bauleitplanung und Genehmigung von Windenergieanlagen vom 1. Juli 2015 (nachfolgend „Ausnahmehinweise“ genannt ) im Einzelnen beschrieben. Die Ausnahmehinweise sind auf der Homepage des Ministeriums fĂŒr LĂ€ndlichen Raum und Verbraucherschutz unter https://mlr.baden-wuerttemberg.de/de/unsere-themen/energiewende/windkraft/ veröffentlicht.

Die fachlichen Vorgaben zur Erfassung des Rotmilans sind den Hinweisen der Landesanstalt fĂŒr Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-WĂŒrttemberg (LUBW) fĂŒr den Untersuchungsumfang zur Erfassung von Vogelarten bei Bauleitplanung und Genehmigung fĂŒr Windenergieanlagen vom 1. MĂ€rz 2013 (nachfolgend „Erfassungshinweise Vögel“ genannt) zu entnehmen, abrufbar auf der Homepage der LUBW unter https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/216927/.

NĂ€here Informationen zu den Dichtezentren des Rotmilans können den Hinweisen der LUBW zur Bewertung und Vermeidung von BeeintrĂ€chtigungen von Vogelarten bei Bauleitplanung und Genehmigung von Windenergieanlagen vom 1. Juli 2015 (nachfolgend „Bewertungshinweise Vögel“ genannt ), abrufbar auf der Homepage der LUBW unter https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/216927/ , entnommen werden.

Eine ĂŒbersichtliche Darstellung ob es sich um ein Dichtezentrum handelt bietet das Fließschema:

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