Das Umweltministerium in Baden-W√ľrttemberg hat - ganz im Sinne der Windkraftindustrie ‚Äď in der Pressemitteilung vom 17.1.2020 das Milan-Dichtezentrum neu definiert und weicht den Naturschutz und Artenschutz weiter auf.

Bisher gen√ľgten f√ľr ein Dichtezentrum vier Revierpaare des gesch√ľtzten Rotmilans in einem Radius von 3,3 Kilometer um eine geplante Windkraftanlage. Jetzt wird der Schwellenwert auf sieben Revierpaare erh√∂ht und an die Begehrlichkeiten der Windkraftindustrie angeglichen. Die Erh√∂hung des Schwellenwertes in den sogenannten Dichtezentren von vier auf sieben Revierpaare sehen ist eine schwerwiegende und nicht zu rechtfertigende Verletzung des Natur- und Artenschutzes. Mit der Dichtezentren-Regelung, die es √ľbrigens nur in Baden-W√ľrttemberg gibt, wird das T√∂tungsverbot von ¬ß 44a Bundesnaturschutzgesetz unterlaufen und sie widerspricht dem EU-rechtlich vorgegebenen strengen Schutz der durch Windkraftanlagen gef√§hrdeten Vogelarten. Die T√∂tung der gesch√ľtzten Art in weniger dicht von Milanen besiedelten Regionen wird damit bewusst in Kauf genommen.

Die Zunahme des Rotmilan-Bestandes in Baden-W√ľrttemberg belegt mitnichten, dass Windkraftausbau und Artenschutz in Einklang zu bringen sind. Vielmehr ist beim Rotmilan eine Bestandsverschiebung innerhalb Deutschlands im Gange, die eher das Gegenteil belegt, weil in Gebieten, in denen die Windkraft bereits stark ausgebaut ist, die Best√§nde abnehmen.

Ornithologen haben eindeutig einen negativen Zusammenhang zwischen Windkraftanlagen -Dichte und Bestandstrends bei Milanen best√§tigt. Eine umfangreiche Untersuchung am Beispiel von Brandenburg, (Bellebaum et al. 2013) zeigte, dass sich auf Populationsebene ein gef√§hrdendes Ausma√ü ergeben kann. Die Ornithologen Katzenberger und Sudfeldt berichten, dass die Bestandszunahmen in S√ľdwest- und Westdeutschland ausschlie√ülich in Gebieten stattfanden, die bis dato nahezu keine Windkraftanlagen aufwiesen.

Der Schutz des Rotmilans wird in Baden-W√ľrttemberg bereits durch die viel zu geringe Abstandsregelung von 1.000 Metern zum Horst eingeschr√§nkt. In allen anderen Bundesl√§ndern betr√§gt die Abstandsregelung 1.500 Meter. Ein erschlagenes Weibchen beeinflusst die Population √ľber viele Jahre negativ.
Die Interessen der Windkraftindustrie rechtfertigen unter keinerlei Gesichtspunkten die Verletzung der Naturschutzgesetze. Deshalb fordert der Verband f√ľr Landschaftspflege und Artenschutz in einem offenen Brief Herrn Untersteller und das Umweltministerium auf, das Vorhaben der Neuregelung der Dichtezentren zur√ľckzunehmen.