15.12.21

Der Planungsausschuß des Regionalverbandes Stuttgart tagte im Oktober 2021 in einer öffentlichen Präsenzveranstaltung um den Windkraftsachstand darzustellen und den Fortgang für die Landkreise Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg, Rems - Murr, Göppingen und den Stadtkreis Stuttgart zu erörtern. Wer allerdings Antworten auf die Fragestellungen die von den Fraktionen an den Verband herangetragen wurden erwartet hatte, wurde enttäuscht, denn Vieles blieb unbeantwortet. Kann die erholungsuchende Bevölkerung im mittleren Neckarraum, die das höchste Bruttosozialprodukt pro Kopf in der BRD erwirtschaftet in seinen als Grünzüge definierten Wäldern noch windkraftfrei spazieren gehen, oder muss sie im Urlaub ins Flugzeug steigen, was eigentlich nicht im Sinne grüner Umweltpolitik ist?

Betrachtet man die Windkraftplanungen der vergangenen Jahre auf der Basis des alten Windatlasses (2011) so stellt man fest, dass diese Planungen aufgrund falscher Faktenlage getroffen wurden und die prognostizierten Einspeisewerte bei den Projekten die inzwischen gebaut wurden nicht realisierbar waren. Als neuen Mindestrichtwert für die Genehmigungsfähigkeit von Windkraftanlagen hat die Landesregierung eine mittlere Windleistungsdichte von mindestens 215 Watt pro qm in 160 m Höhe festgelegt. Vergleicht man diesen Wert mit real existierenden Windparks so zeigt sich, dass diese Werte in der Realität nicht erreicht werden. Die meisten Windkraftanlagen in Baden-Württemberg erreichen den Referenzertrag von 60 % nicht und hätten gar nicht genehmigt werden dürfen. Der Standort der drei Windräder Winterbach „Goldboden“ weist den Richtwert 215 Watt/qm aus erreicht aber nur 20 GWh/a und nicht wie prognostiziert 25 GWh/a, was Zweifel am neuen Potenzialberechnungsverfahren aufkommen lässt. Der neue Windatlas (2019) führt zu erheblichen Flächenverschiebungen, es ergaben sich plötzlich ganz andere Werte. Der Kreis Böblingen hat mit 39.000 Hektar nunmehr das größte Potenzial hier ergibt sich die Möglichkeit für mehr als 400 Windkraftanlagen.
Der Regionalplan Windkraft muß nun auf Basis des neuen Windatlasses (2019) überarbeite werden. Chefplaner Thomas Kiwitt betonte, dass die Sorgfalt in der Regionalplanung Vorrang habe vor Schnellschüssen, er will nicht mit der Regionalplanung vor Gericht unterliegen und hält eine 7 bis 8 jährige Verfahrensdauer für gerechtfertigt. Die erheblich Datenfülle, der Abstimmungsbedarf mit den Trägern öffentlicher Belange (TÖB), und der zeitintensive Abstimmungsbedarf mit den Fach- und Naturschutzbehörden mit hohen rechtlichen Anforderungen kostet Zeit. Es bleibt zunächst beim Vorsorgeabstand von 700 m zur Wohnbebauung, obwohl die Windkraftanlagen immer höher werden und meist von den Anwohnern unter Hinweis auf die anderen Bundesländer größere Abstände gefordert werden.