Am 11.1.2011 stellte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Herrenberger Gemeinderat den Antrag die Stadt möge über die SüdWestStrom Windpark GmbH & Co KG eine fremdfinanzierte Beteiligung am Offshore Windpark BARD1 in Höhe von 2,9 Millionen Euro zeichnen. Diese Höhe entspricht dem Strombedarf der städtischen Liegenschaften von ca. 4,5 Millionen Kilowattstunden. Renditen von 5 % bis 9 % wurden in Aussicht gestellt. Der Antrag wurde im Gemeinderat Herrenberg abgelehnt – zu Recht.

Was ist aus diesem großen Windparkprojekt 100 Kilometer vor der deutschen Nordseeküste geworden?

„Größter deutscher Windpark fällt aus“ titelte jüngst die WELT online und bezog sich auf das Offshorefeld BARD 1, das wegen technischer Probleme seit März keinen Strom mehr liefert. Mit 80 Windrädern mit einer installierten Leistung von 400 MW ist BARD 1 ist bei weitem der größte Offshore Windpark Deutschlands. Ursprünglich war geplant die Stromlieferungen zum Juni wieder aufzunehmen, nun stellen sich die technischen Störungen als gravierender heraus als zunächst angenommen.

Bei der Offshore-Netzanbindung BorWin1 und dem Windpark BARD Offshore 1 gab es in den vergangenen Monaten mehrere technische Störungen, in deren Folge es zu so genannten Schutzauslösungen und damit zu ungeplanten Abschaltungen der Netzanbindung kam. Um die genaue Quelle der Störungen zu ermitteln, arbeitet der Übertragungsnetzbetreiber TenneT eng mit Ocean Breeze, dem Betreiber des Windparks BARD Offshore 1, der an BorWin1 angeschlossen ist, sowie mit ABB, dem Auftragnehmer für den Netzanschluss, zusammen. Derzeit laufen detaillierte Tests und begleitende Studien, um die eigentlichen Fehlerursachen eindeutig zu identifizieren und Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Dabei werden Untersuchungen und Messungen an den Windenergieanlagen sowie der Umspannstation des Windparks und an der Konverterplattform durchgeführt. Vom Ergebnis dieser Untersuchungen hängt der Zeitplan für die Behebung der technischen Störungen und der vollständigen Wiederherstellung der Netzanbindung ab.

Über die Kosten des Produktionsausfalls schweigen sich die Betreiber aus. Eine dauerhafte Problemlösung ist nicht in Sicht, stattdessen werden die ohnehin gigantischen Kosten weiter unkontrolliert anwachsen.

Das kann und wird den Investoren bzw. ihren Kreditgebern (u.a. große Stadtwerke) nicht schmecken, denn ihr eingesetztes Kapital bringt bei weitem nicht den erwarteten für Zins und Tilgung dringend benötigten Gewinn. Dabei ist Bard 1 nicht der einzige Problem Offshore Windpark. Denn fast alle leiden unter diversen technischen Problemen.

Gut, daß die Gemeinderäte seinerzeit dem von der Stadtverwaltung vorgetragenen Beschlussantrag der Bündnis 90/ Die Grünen auf eine Beteiligung wegen zu hoher Risiken zu verzichten, gefolgt sind. Auch eine Vorschussleistung für eine spätere Bürgerbeteiligung mit einer Darlehensaufnahme von 2,9 Mio. € wurde damals in weiser Vorsicht abgelehnt. (Drucksache 2011-104)