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Leserbrief zur Windkraft am Leonberger Frauenkreuz

Vorgeschichte:

Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises Böblingen (Investor) plante zwei Windkraftanlagen in Leonberg auf dem Gelände der Erddeponie neben der Autobahn. Dieser Standort liegt an der Einflugroute der Sichtflugzeuge von Leonberg nach Stuttgart-Echterdingen. (Sichtflug Meldepunkt "Wiskey")

Die Messungen mittels Messmast durch den Windgutachter umfassten den Zeitraum vom 14.3.12 bis 16.5.13 (=14 Monate). Gemessen wurden die Höhen 15 m, 35 m und 50 m im 10 Minuten Takt. Eigentlich hätte der Meßmast bis 90 Meter Höhe messen müssen, denn es gilt der Standard, dass Winde bis zu 2/3 der späteren Bauhöhe durch Messungen abgesichert werden soll. Es gilt also festzuhalten, dass die Messhöhe mit maximal 50 m zu gering war. Die Windrichtung 90° fehlte während des gesamten Messzeitraumes, vermutlich infolge Messamstabschattung der Anemometer.

Geplante Bauhöhe (Nabenhöhe) war 138 m. Die Höhen über 50 m wurden mit SODAR- und LIDAR-Geräten gemessen und zwar „berührungslos“. Das sind Schallverfahren und Laserverfahren die in der Lage sind Windströmungen zu messen. Diese Daten liefern die Aussage wie der Wind in der Rotorkreisfläche (und um die geht es ja) eingeschätzt wird (also von ca. 70 bis 200 m). Diese Lidar- und Sodarmessungen umfassen jedoch nicht die 14 Monate sondern leider einen kürzeren Zeitraum, sodass über Korrelationsrechnungen die fehlenden Zeiträume „simuliert“ werden müssen. Eine generelle Frage die dabei auftauchte ist, ob das SODAR verfahren für den Standort Leonberg überhaupt geeignet ist, denn SODAR Verfahren sind empfindlich und reagieren auf Fremdgeräusche (Eisenbahn, Fahrzeuge Flugzeuge usw.) und sollen in der unmittelbaren Nähe von Verkehrslärm nicht zum Einsatz kommen. Aufgrund des Autobahnlärms war das SODAR Verfahren an diesem Standort ungeeignet, ja man muss sogar bezweifeln, ob die Werte korrekt sind.

Interview von Herrn Wolf Eisenmann

Am 22.08.2014 macht Herr Eisenmann die Privatflieger als Hauptgrund für das Scheitern der Windräder bei einem Interview verantwortlich.


Mein Leserbrief: 25.08.14 Gäubote

Zum Interview von Herrn Wolf Eisenmann

Herr Eisenmann bedauert im Gäuboten Interview vom 22.8.2014, dass der Bau der beiden Windräder am Leonberger Frauenkreuz wegen 10 Privatfliegern gescheitert ist. Dem ist entschieden zu widersprechen:

Herr Eisenmann macht es sich sehr einfach wenn er von "10 Privatfliegern" spricht die den Bau der beiden Windräder am Standort Frauenkreuz blockierten, denn diese Zahl ist weit weg von der Realität. Hubschrauber-Rettungsfüge und die Polizeihubschrauber hat er ebenfalls unterschlagen.

Von den 22 internationalen Flughäfen in der BRD hat der Flugplatz Stuttgart–Echterdingen den höchsten Anteil an Sichtflugverkehr (Kleinflugzeuge). Dies liegt daran, dass es nach dem Krieg politisch versäumt wurde einen für den Wirtschaftsraum Mittlerer Neckar wichtigen Entlastungsflugplatz für Kleinflugzeuge zu schaffen (z.B. Malmsheim). Dies ist heute politisch nicht mehr durchsetzbar. Daher sind diese Flugzeuge in Stuttgart stationiert. Dies gilt auch für zwei Flugschulen die in Stuttgart ansässig sind. In Frankfurt/M. gibt es den Entlastungsflugplatz Egelsbach, sodass in Frankfurt keine Kleinflugzeuge starten und landen was dem dortigen starken gewerblichen Luftverkehr sehr entgegenkommt.

Die Flugsicherung Stuttgart hatte den Auftrag alternative Flugrouten von Westen zum Flughafen Stuttgart auszuarbeiten, um ggf. Raum für die beiden Windkraftanlagen zu schaffen. Es hat sich dabei jedoch gezeigt, daß die alternative Sichtflugroute nach Echterdingen über Schillerhöhe, Büsnau, Vaihingen, Heslach, Sonnenberg, Degerloch, Möhringen und Fasanenhof der dortigen Bevölkerung nicht zu vermitteln gewesen ist. So hat die Fluglärmkommission des Flughafens Stuttgart im November 2013 diese Streckenführung wegen neuen Fluglärmbetroffenheiten abgelehnt.

Dies zeigt, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb diese Fluglärmproblematik entweder nicht erkannt hat oder aber kleinredet in der Absicht die Bevölkerung zu täuschen. Eine Flugroute von Leonberg entlang der Autobahn die sich seit vielen Jahren bewährt hat, kann nicht einer höchst zweifelhaften Windkraftinvestition Platz machen.

Denn der Nachweis über eine ausreichende Windhöffigkeit am Standort Leonberg konnte der Abfallwirtschaftsbetrieb als Investor nicht erbringen, da die Datenerhebung mit dem Wind-Messmast handwerkliche Unzulänglichkeiten erkennen ließ und nicht den gängigen Normen und Richtlinien entsprochen hat. Korrekte Windmessungen mittels Messmast an den vorgesehenen Standorten sind jedoch zwingend erforderlich, da der Baden-Württ. Windatlas tendenziell zu hohe Windwerte ausweist und als alleinige Planungsbasis daher untauglich ist.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb hat „weil an der Vergärungsanlage ein Grundstück mit Zuwegung zur Platzierung einlud“ den erforderlichen Rund- und Weitblick sowie die gebotene Sorgfalt vermissen lassen und von Anfang an das Windkraftprojekt ergebnisorientiert verfolgt. Dies hat sich als fataler Irrtum erwiesen.

Die ohnehin schon überdurchschnittlich hohe Bausumme von mehr als 11,5 Mio. € wäre durch zusätzliche Sicherungseinrichtungen ausgeufert. So wäre die Problematik des Eiswurfes aufgrund des geringen Abstandes auf die siebenspurige Autobahn nur durch ertragsmindernde Abschaltzeiten oder kostenintensive Rotorblattheizungen zu lösen gewesen. Ob zusätzliche Artenschutz Abschaltzeiten für die Windkraftanlage eine weitere Reduzierung der Wirtschaftlichkeit ausgelöst hätten, kann gar nicht beurteilt werden, da die entsprechenden Gutachten noch fehlten.

Die Reißleine zum Stopp eines aussichtslosen Projektes hat letztendlich die Deutsche Flugsicherung gezogen zum Wohle der Bürger und Verkehrsteilnehmer.

Windkraft nur dort wo genügend Wind weht

96 Standorte mit bis zu 500 Windkraftanlagen in der Verbandsregion Stuttgart, davon 20 oder mehr im Kreis Böblingen, welcher bezüglich der Windhöffigkeit keine rentablen Windstärken bietet. Wirtschaftlich betreiben kann man die Windräder erst ab sechs m/sec. Der vom Landkreis als Investor und Betreiber in Betracht gezogene Standort „Erddeponie Leonberg“ mit weniger als 6 m/sec gilt als kritisch; mit Spannung werden die Ergebnisse der derzeitigen Windmessung erwartet die im März 2013 vorliegen. Der immer wieder zitierte Windatlas, erstellt vom TÜV Süd ist sehr mit Vorsicht zu verwenden, denn die dort ausgewiesenen Werte sind modellierte d.h. „gerechnete“ Windwerte, die teilweise stark von der Realität abweichen. Im betriebs-wirtschaftlichen Teil ist diese Handreichung für die Kommunen sogar fehlerhaft, denn es wurde bei der Amortisationsrechnung die Verzinsung vergessen die neuen im Windkrafterlass ausdrücklich gefordert wird. Der autobahnnahe Standort in Leonberg an der A8 wirft wegen der Eiswurfgefahr zusätzliche Probleme auf. Die Eiswurf-weiten liegen über der Abstandsregelung für Autobahnen, so dass mit Abschaltzeiten bei Vereisungsgefahr gerechnet werden muss, was die Wirtschaftlichkeit zusätzlich vermindert. Die Abstandsregelung gegenüber der Wohnbebauung ist mit nur 700 Metern in Baden-Württemberg die Geringste aller Bundesländer. In Nordrhein-Westfalen sind es 1.500 Meter, in Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen und Brandenburg 1.000 Meter. Anderswo in Europa, beispielsweise in Großbritannien sind es sogar 3.000 Meter. Die Weltgesund-heitsbehörde fordert unterdessen 2.000 Meter. Während dem Rotmilan im Artenschutz 1000 Meter Abstand zugestanden werden, muß der Schwabe mit 700 Meter zufrieden sein. Einige Kommunen gehen bei der Flächenausweisung der Vorranggebiete dazu über, von vorn herein größere Abstände – etwa 1.500 Meter – einzuplanen, um Lärmbeschwerden der Bewohner vorzubeugen, nachdem in Norddeutschland Windkraftanlagen nachts per Gerichts-beschluss abgeschaltet werden müssen, da die Lärmgrenz-werte von 40 dB(A) nicht eingehalten werden konnten. Vieles läuft nicht rund bei der Windenergie. Bürgerbeteiligung sieht anders aus. Sollte auf dieser Basis weitergeplant werden, werden die Gerichte im Land viel Arbeit bekommen. Windkraft ja – aber dort wo genügend Wind bläst.

Zu Recht abgelehnt….

Am 11.1.2011 stellte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Herrenberger Gemeinderat den Antrag die Stadt möge über die SüdWestStrom Windpark GmbH & Co KG eine fremdfinanzierte Beteiligung am Offshore Windpark BARD1 in Höhe von 2,9 Millionen Euro zeichnen. Diese Höhe entspricht dem Strombedarf der städtischen Liegenschaften von ca. 4,5 Millionen Kilowattstunden. Renditen von 5 % bis 9 % wurden in Aussicht gestellt. Der Antrag wurde im Gemeinderat Herrenberg abgelehnt – zu Recht.

Was ist aus diesem großen Windparkprojekt 100 Kilometer vor der deutschen Nordseeküste geworden?

„Größter deutscher Windpark fällt aus“ titelte jüngst die WELT online und bezog sich auf das Offshorefeld BARD 1, das wegen technischer Probleme seit März keinen Strom mehr liefert. Mit 80 Windrädern mit einer installierten Leistung von 400 MW ist BARD 1 ist bei weitem der größte Offshore Windpark Deutschlands. Ursprünglich war geplant die Stromlieferungen zum Juni wieder aufzunehmen, nun stellen sich die technischen Störungen als gravierender heraus als zunächst angenommen.

Bei der Offshore-Netzanbindung BorWin1 und dem Windpark BARD Offshore 1 gab es in den vergangenen Monaten mehrere technische Störungen, in deren Folge es zu so genannten Schutzauslösungen und damit zu ungeplanten Abschaltungen der Netzanbindung kam. Um die genaue Quelle der Störungen zu ermitteln, arbeitet der Übertragungsnetzbetreiber TenneT eng mit Ocean Breeze, dem Betreiber des Windparks BARD Offshore 1, der an BorWin1 angeschlossen ist, sowie mit ABB, dem Auftragnehmer für den Netzanschluss, zusammen. Derzeit laufen detaillierte Tests und begleitende Studien, um die eigentlichen Fehlerursachen eindeutig zu identifizieren und Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Dabei werden Untersuchungen und Messungen an den Windenergieanlagen sowie der Umspannstation des Windparks und an der Konverterplattform durchgeführt. Vom Ergebnis dieser Untersuchungen hängt der Zeitplan für die Behebung der technischen Störungen und der vollständigen Wiederherstellung der Netzanbindung ab.

Über die Kosten des Produktionsausfalls schweigen sich die Betreiber aus. Eine dauerhafte Problemlösung ist nicht in Sicht, stattdessen werden die ohnehin gigantischen Kosten weiter unkontrolliert anwachsen.

Das kann und wird den Investoren bzw. ihren Kreditgebern (u.a. große Stadtwerke) nicht schmecken, denn ihr eingesetztes Kapital bringt bei weitem nicht den erwarteten für Zins und Tilgung dringend benötigten Gewinn. Dabei ist Bard 1 nicht der einzige Problem Offshore Windpark. Denn fast alle leiden unter diversen technischen Problemen.

Gut, daß die Gemeinderäte seinerzeit dem von der Stadtverwaltung vorgetragenen Beschlussantrag der Bündnis 90/ Die Grünen auf eine Beteiligung wegen zu hoher Risiken zu verzichten, gefolgt sind. Auch eine Vorschussleistung für eine spätere Bürgerbeteiligung mit einer Darlehensaufnahme von 2,9 Mio. € wurde damals in weiser Vorsicht abgelehnt. (Drucksache 2011-104)

Kreis CDU zum Aus der Windkraft am Leonberger Frauenkreuz

Anders als der Abfallwirtschaftsbetrieb weist die Kreis CDU darauf hin, dass nicht nur die Route der Schlechtwetterflüge der Kleinflugzeuge nach Echterdingen hätte verlegt werden müssen, sondern alle An- und Abflüge. Diese neue Fluglärmbetroffenheit wäre der Bevölkerung in Schillerhöhe, Büsnau, Vaihingen, Heslach, Sonnenberg, Degerloch, Möhringen und Fasanenhof nicht zu vermitteln gewesen.

Dies zeigt , dass der Abfallwirtschaftsbetrieb als Vorhabensträger diese Fluglärmproblematik entweder nicht erkannt hat oder aber bewusst nach Rosstäuschermanier kleinredet in der Absicht die Bevölkerung zu täuschen. Eine Flugroute, die sich seit vielen Jahren bewährt hat, kann nicht einer höchst zweifelhaften Windkraftinvestition Platz machen.

Die CDU bekennt sich zur Energiewende und zum Ausbau der Windenergie. Allerdings ist im windschwachen Baden-Württemberg bei der Auswahl von windhöffigen Standorten im Abwägungsprozess besondere Sorgfalt erforderlich. Der hoch verdichte Wirtschaftraum Mittlerer Neckar schränkt das Winddargebot ein. Windmessungen an den vorgesehen Standorten sind zwingend erforderlich und haben den anerkannten Regeln zu entsprechen. Der Abfall-wirtschaftsbetrieb hat „weil an der Vergärungsanlage ein Grundstück mit Zuwegung zur Platzierung einlud“ den erforderlichen Rund- und Weitblick sowie die gebotene Sorgfalt vermissen lassen und von Anfang an das Windkraftprojekt ergebnisorientiert verfolgt. Dies hat sich nun als fataler Irrtum erwiesen.

Die ohnehin schon überdurchschnittlich hohe Bausumme von mehr als 11,5 Mio € wäre durch zusätzliche Sicherungseinrichtungen ausgeufert. So wäre die Problematik des Eiswurfes aufgrund des geringen Abstandes auf die siebenspurige Autobahn nur durch ertragsmindernde Abschaltzeiten oder kostenintensive Rotorblattheizungen zu lösen gewesen. Ob zusätzliche Artenschutz Abschaltzeiten für die Windkraftanlage eine weitere Reduzierung der Wirtschaftlichkeit ausgelöst hätten, kann gar nicht beurteilt werden, da die entsprechenden Gutachten noch fehlen.

Die Reissleine zum Stop eines aussichtslosen Projektes hat letztendlich die Flugsicherung gezogen zum Wohle der Bürger.