Leserbrief Gäubote von Hansjörg Jung
Das Kernproblem von Windkraft und Photovoltaik wird oft verschwiegen: Sie sind nicht grundlastfähig, d. h. sie können keine sichere Stromversorgung garantieren. Wie sollte das auch funktionieren, wenn selbst Windkraftanlagen auf offener See maximal auf 4.500 Volllaststunden kommen – bei 8.760 Stunden, die ein Jahr hat ? In Schwachwindgebieten wie Baden-Württemberg kann die Zahl der Volllaststunden sogar unter 1.500 Stunden sinken. Woher kommt dann also der Strom, wenn zu wenig Wind- oder Sonnenstrom erzeugt wird?
Für den Privathaushalt mögen da noch Speicher helfen – aber nicht für ein Land, das (noch) die viertgrößte Industrienation der Welt ist. Die gesicherte Stromversorgung muss letztendlich durch teure Reservekraftwerke erfolgen.
Wie der WELT-Chefreporter Axel Bojanowski treffend bemerkte, fokussiert sich die Debatte bei Solar- und Windstrom auf die (günstigen) Erzeugungskosten, verschweigt aber die wahren Systemkosten, um Strom zu jeder Zeit bereitzustellen.
Deutschland, ein Land, das abseits der Küsten windarm ist, macht sich von wetterabhängigen Energiequellen abhängig. Der deutsche Sonderweg – der zeitgleiche Ausstieg aus Kernkraft und fossilen Energien – wird international von niemandem kopiert, was auch nachvollziehbar ist.
Die Absicht von Wirtschaftsministerin Reiche (CDU), 30 Gaskraftwerke bevorzugt in Süddeutschland zu bauen, ist nicht neu. Diese nennt man in Fachkreisen „netztechnische Betriebsmittel“, was jedoch ihre eigentliche Aufgabe verschleiert. Ich bezeichne sie als das, was sie sind: „Flatterstromergänzungskraftwerke“. Ob sich für diese Gaskraftwerke überhaupt Investoren finden, ist fraglich – denn sie laufen nur zeitweise und sollen „am Strommarkt nicht teilnehmen“. Letztendlich wird es wieder eine Frage sein, wie hoch die Subventionen für diese Gaskraftwerke ausfallen müssen, damit überhaupt ein Betreiber daran Interesse hat.
Angesichts dieser Widersprüche und der weltweit höchsten Strompreise schwindet in der Bevölkerung die Akzeptanz für dieses milliardenschwere Energiewende-Projekt.
Ich appelliere daher an alle Verantwortlichen, die realen Probleme nicht länger zu ignorieren und ihre ideologischen Scheuklappen abzulegen – anstatt die letzten Naturräume für subventionierte Windkraftanlagen und eine Energiewende zu opfern, deren Gelingen mehr als fraglich ist.