Stuttgart predigt Klimaschutz – und lässt das Umland die Zeche zahlen
Der Regionalverband Stuttgart hat am 3.12.25 die Windkraftplanung in der Regionalversammlung verabschiedet.
Die Region Stuttgart stellt 1,9 % ihrer Fläche für Windkraftanlagen bereit. Die Stadt Stuttgart hingegen – also jene Kommune, die sich gerne als ökologischer Musterknabe präsentiert – bringt es auf gerade einmal 0,1 % ihrer Fläche. Mit 22 Hektar und zwei Vorranggebieten trägt die Landeshauptstadt lächerliche 0,3 % zum regionalen Ausbau bei.
Gleichzeitig will Stuttgart schon 2035 klimaneutral sein – früher als das Land, früher als der Bund, früher als die EU. Das klingt ambitioniert, ist aber vor allem eines: Politisches Marketing, das auf Kosten anderer betrieben wird.
Denn die fehlenden Stuttgarter Flächen müssen nun die Landkreise Böblingen, Göppingen, Esslingen, Ludwigsburg und der Rems-Murr-Kreis ausgleichen. Insbesondere Böblingen und Göppingen sollen fast 4 % ihrer Kreisfläche für Windkraft bereitstellen – und über 30 % ihres realen Windkraftpotenzials ausschöpfen. Damit wird den ländlichen Gemeinden ein massives Zusatzpaket aufgebürdet, nur weil Stuttgart sich selbst schont.
Die Windräder, die Stuttgart für seine Klimabilanz braucht, stehen dann eben in Jettingen, im Staatswald oder in anderen Gemeinden der Region. Sie produzieren dort Strom – und Stuttgart rechnet sich die CO₂-Einsparungen an. Die Belastungen jedoch – Schall, Landschaftseingriffe, Wertverluste – trägt die Landbevölkerung. Das ist grüne Selbstinszenierung auf dem Rücken anderer.
Während Stuttgart in Hochglanzbroschüren seine Klimaziele feiert, setzt man im Umland voraus, die Menschen dort würden das klaglos hinnehmen. Doch die Frage drängt sich auf: Warum soll das Land die Lasten tragen, während die Stadt die Lorbeeren erntet?
Was ist daran gerecht? Was ist daran solidarisch? Was ist daran gesellschaftlich zusammenhaltend?
Wenn eine Stadt ihren Bürgerinnen und Bürgern die Nachteile der Windkraft ersparen will, während sie gleichzeitig lautstark Klimaneutralität verlangt, dann ist das nicht vorbildlich. Es führt zu genau jener Spaltung zwischen Stadt und Land, vor der alle warnen – nur diesmal zu Recht.
Hansjörg Jung Herrenberg